Fortschritt

Barcode-Bulletin

DNA-Barcoding der Fauna Bavarica (BFB)

Erstellung einer genetischen Bibliothek der bayerischen Tierarten

Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München sind dabei, für alle etwa 34.000 in Bayern beheimateten Tierarten einen genetischen Bestimmungsschlüssel zu erstellen. Diese Daten sind in der Forschung, aber auch in zahlreichen praktischen Anwendungsgebieten nutzbar.

Im dritten Projektjahr (Frühjahr 2012) liegen bereits DNA Sequenzen von über 10.000 Arten vor - ein riesiger Erfolg, der BFB weltweit zu einem Spitzenreiter im DNA Barcoding macht. Die Wissenschaftler der Zoologischen Staatsammlung in München sind dabei Projektpartner einer der wohl ehrgeizigsten weltweiten Forschungsinitiativen in den Biowissenschaften. Der kanadische Biologe Paul Hebert von der University of Guelph bei Toronto hat sich mit iBOL (International Barcode of Life) zum Ziel gesetzt, die Gencodes aller Tierarten weltweit zu analysieren und diese in der Online-Datenbank Bold (Barcode of Life Data Systems) Forschern weltweit zur Verfügung zu stellen.

Barcoding-News

Uhu darf in die Freiheit – dank DNA-Test

Neuer Erfolg im Barcoding-Projekt der Zoologischen Staatsammlung München

Forscher der Zoologischen Staatsammlung München klärten mit Hilfe genetischer Methoden die Herkunft eines Uhus auf. Vor etwa einem Jahr landete die Eule in einer Auffangstation, weil sie im Stadtgebiet von Duisburg und Mülheim/Ruhr offenbar die Nähe zum Menschen suchte und sehr zutraulich wirkte. Wahrscheinlich wurde das Tier von Menschen aufgezogen. Seither lebt der Uhu in einer Greifvogelauffang- und Wiederauswilderungsstation im Sauerland. Das Tier zeigte eine für heimische Uhus untypische Gefiederfarbe. Deshalb vermutete der Leiter dieser Station, Winfried Limpinsel, dass es sich um ein entflogenes Tier einer asiatischen Schwesterart des Uhus handelt. Eine Auswilderung kann unter diesen Voraussetzungen nicht genehmigt werden. Da Naturschützer diese Auswilderung jedoch forderten, wandte sich Dr. Randolph Kricke, Artenschutzbeauftragter vom Amt für Naturschutz und Grünplanung der Stadt Duisburg, an die Zoologische Staatssammlung in München, mit der Bitte, die Herkunft des Tieres festzustellen.

Lesen Sie dazu den vollständingen Pressetext.

Die beteiligten Forscher erwarten durch iBOL einen vielfältigen Nutzen. Tiere oder Teile von Tieren können auf genetischem Weg schnell, kostengünstig und eindeutig identifiziert werden. Der zeitraubende, teure und oft langwierige Weg über Fachspezialisten, wie er bisher zur Bestimmung notwendig war, entfällt. Nutznießer des iBOL sind zahllose Disziplinen der Biowissenschaften.
In der Grundlagenforschung profitieren beispielsweise Ökologen, Evolutionsforscher und weitere Disziplinen der Zoologie. So haben Forscher, die sich mit den Folgen der Erderwärmung auf unsere Fauna beschäftigen, häufig mit neu eingewanderten unbekannten Insektenarten oder Spinnentieren zu tun. Diese verbreiten teilweise sogar neue Krankheiten und müssen schnell und früh erkannt werden. Zur schnellen und korrekten Identifizierung solcher Organismen würde eine weitgehend komplette Gendatenbank unschätzbare Dienste leisten.

Auch die Land- und Forstwirtschaft kann die Artbestimmung durch Barcodes zum Beispiel in der biologischen Schädlingsbekämpfung nutzen. So lassen sich mit Hilfe der genetischen Codes Schädlinge oder nützliche Insekten bereits als Ei oder im Larvenstadium sicher und schnell bestimmen. Bisher ist das nicht oder nur mit aufwändigen Methoden möglich. Aber auch die Fischereiwirtschaft, die Nahrungsmittelindustrie oder der Zoll ist darauf angewiesen, tierische Gewebe schnell und zuverlässig identifizieren zu können. Es ist zu erwarten, dass mit iBOL neben dem wissenschaftlichen Gewinn auch ein bedeutender wirtschaftlicher Nutzen erzielt wird.

Die Durchführung des Barcoding Fauna Bavarica-Projekts wird ermöglicht durch finanzielle Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.